Bevor der Oelßner´s Hof erbaut wurde, gab es auf dem Gelände einiges an Vorgeschichten. Allerdings muss man bei den nachfolgenden Ausführungen beachten, dass es sich teilweise um Einzelgrundstücke handelt, welche erst 1896 zusammengeführt wurden.


Hier einige Auszüge, der bekannten Hintergründe:

Heutige Straßennamen und Hausnummern: Nikolaistraße 20-26 / Ritterstraße 23-29

Das Haus Nikolaistraße 20 war in der Zeit von 1533 bis 1858 im Besitz von Bäckern, 1642 erhielt das Objekt die Backgerechtigkeit durch die schwedische Besatzung.

Das Objekt Nikolaistr. 24 gehörte im 15. Jahrhundert der Juristenfamilie Schulte. Von den Erben wurde es 1559 an den kurpfälzischen Landschreiber Magister Vögelin verkauft, welcher auch 1570 das anstoßende Haus Ritterstraße 25 kaufte. Der Gastwirt Andreas Krahe erwarb das Haus Nikolaistraße dann im Jahr 1705. Der Durchgang zwischen den beiden Häusern verblieb jedoch im Besitz des Zoten Hofes.

Ein Haus auf dem Grundstückskomplex auf der Ritterstraße ist als Haus der Beguinen des Barfüßerklosters zu Leipzig im Jahr 1508 erwähnt. Die theologische Fakultät der Universität kauft 1510 dieses Haus als Burse (als “Bursa pauperum“) für arme Studenten und gibt es 1560 wieder auf.

Der Grundstückskomplex Nikolaistraße / Ritterstraße wird 1670 erstmals als „Zotens Hof“ erwähnt. Ein Siegelschneider Namens Hans Zote soll seine Werkstatt dort betrieben haben. Das Hofgrundstück wird 1740 als „Kleines Reithaus“ bezeichnet, Frederike Caroline Neuber soll öfters mit ihrer reisenden Theatergruppe dort gespielt haben.

Im Januar des Jahres 1748 wird erwähnt, dass das Lustspiel „Der junge Gelehrte“ von Gotthold Ephraim Lessing durch die Theatergruppe von Frau Neuber im „Zotens Hof“ uraufgeführt wird. Der Tabakhändler und Kaufmann Johann Gottlieb Quandt kauft das Grundstück 1748. Der Enkel von ihm, Johann Gottlob Quandt ist zu damaliger Zeit ein berühmter Kunstsammler und Freund von Herrn Goethe.

Das Stammgrundstück wird zwischen den Jahren 1749-1896 als „Quandts Hof“ benannt. Herr Johann Gottlieb Quandt lässt die bisherige Theaterspielbühne zum „Comödienhaus“ umbauen. Einer der regelmäßigen Theaterbesuche soll u. a. Herr Christian Felix Weiß, Steuerbeamter und Schriftsteller, sein. Neben der Familie Quandt wohnt der Maler Veit Hanns Schnorr von Carlsfeld in den Jahren 1790/1791 im Grundstück. Veit Hanns Schnorr von Carlsfeld war ab 1814 Direktor der Kunsthochschule (seine Vorgänger waren Adam Friedrich Oeser und Johann Friedrich August Tischbein). Der Verlag von Otto Friedrich Wigand siedelt sich 1834 in der Nikolaistraße 20-26 (ehemals Nr. 744 – Quandts Hof) an. 1896 werden durch den Kommerzienrat Wilhelm Oelßner die Grundstücke zum Komplex Nikolaistraße/Ritterstraße vereinigt und tragen seitdem den Namen „Oelßner´s Hof“

In den damaligen Häusern des jetzigen Oelßner´s Hofes waren über die Jahrhunderte Bäcker, Buchdrucker, Messerschmied, Gastwirte, Zobelfärber, Buchdrucker, Ratswaagenschließer, kaiserlicher Offenbarschreiber, Korduanmacher, etliche Kürschner und Rauchwarenhändler Besitzer. Neben Druckerei, Schriftgießerei und Theaterspielbühne wurden einige Rachwarenhandlungen, Gastwirtschaften und sogar ein Hotel in diesem Bereich betrieben. Man kann also davon ausgehen, dass ein geschäftiges Betreiben diesen Bereich der schon damaligen Innenstadt belebte.